Das Projekt

Alter Standort – neue Pläne

Wind-Repowering im Weserbergland

Wenn eine Idee in zwei benachbarten Ortschaften unabhängig voneinander erst keimt, dann begeistert und schließlich zur Umsetzung gelangt, dann muss es eine gute Idee sein!

Die Altanlagen

1996 rollt schweres Gerät zur Errichtung zweier Windräder an.
Im Hintergrund der Tacke-Windrads der ToGro drehen sich die fünf Nordex-Windräder der Koch Wind & Solar.
Der alter Gitterturm einer Nordex-Anlage wird demontiert.

Zwischen 1993 und 1998 wurden zwischen Niese und Köterberg insgesamt neun Windenergieanlagen (WEA) installiert. Die beiden treibenden Kräfte fanden erst viele Jahre später zueinander, um nun gemeinsam mit naturstrom eine Erneuerung der Anlagen in Angriff zu nehmen.

In den frühern Neunzigern entschied sich Familie Koch in der Gemeinde Lügde im Landkreis Lippe dazu, einen Betrag zur Energiewende zu leisten. Fünf Windräder sollten sich schon bald nahe ihrer Heimatstätte in Niese drehen.

1993 kamen Familie Grote und Toeberg aus dem Nachbarort Köterberg auf dieselbe Idee. Sie installierten 1996 gemeinsam zwei Windräder auf dem Frettholz bei Köterberg. Die Kochs sollten sie erst über 20 Jahre später kennenlernen.

Dies ist selbstverständlich nur die Kurzversion – ohne Ausführungen zu komplexen Anträgen bei Behörden, langen Wartezeiten auf Genehmigungen oder zu den zahlreichen Gesprächen mit Anwohner:innen und Nachbar:innen.

Bis 1998 wurden hier im Weserbergland insgesamt neun Windenergieanlagen errichtet, bis heute haben sie weit über 100 Mio. MW Strom erzeugt. Die beiden Familienunternehmen “Koch Wind & Solar” aus Niese und “ToGro” aus Köterberg haben dies möglich gemacht.

Nun ist es Zeit für eine Erneuerung!

Für ein sogenanntes “Repowering” haben sich die beiden Ortsansässigen mit naturstrom zusammengetan. Seit vielen Jahren ist das Unternehmen bereits Direktvermarkter des hier produzierten Windstroms und unterstützt nun mit Erfahrung und Know How beim Repowering-Projekt. Die bereits gemeinsam gegangenen Schritte und die geplanten Maßnahmen bis zur erfolgreichen Inbetriebnahme des neuen Windparks Niese-Köterberg möchten wir Ihnen hier vorstellen.

Ich engagiere mich in diesem Projekt, um den Ausbau der Windenergie vor meiner Haustür mitgestalten zu können. Eine flächendeckende Nutzung dieser Technologie ist neben dem PV-Ausbau der wirksamste Weg, um die gemeinsamen Klimaziele zu erreichen.

Markus Toeberg, Projektpartner vor Ort

Impressionen von der Errichtung der Windenergieanlagen 1993 – 1996

Der neue Windpark

 

Strom für über 11.000 Haushalte: das ist das Ziel ab 2025. Drei neue Windenergieanlagen mit 13,5 MW Leistung werden nördlich der Ortschaft Niese errichtet.

In Zeiten von Klima- und Energiekrise sind Erneuerbare Energien nicht nur ein sprichwörtlicher Lichtblick. Im Windpark-Niese-Köterberg leisten wir unseren Beitrag:

Auf zwei Teilflächen von 24,6 und 12,5 Hektar werden insgesamt drei WEA des Typs Nordex N149 mit jeweils 4,5 MW Nennleistung aufgestellt. Zwei Anlagen messen 164 Meter, eine 125 Meter Nabenhöhe. Die “149” in der Typenbezeichnung der Anlagen steht für den Rotordurchmesser von 149 Metern.
Statt wie bislang 4 Mio. kWh, erzeugen die neuen Anlagen insgesamt 38 Mio. kWh – pro Jahr! Damit decken sie den Bedarf von 11.000 Zwei-Personen-Haushalten. Zum Vergleich: In ganz Lügde, Marienmünster und Bad Pyrmont gibt es insgesamt ca. 13.000 Haushalte.

Das Satellitenbild zeigt die Standorte der geplanten WEA im Verhältnis zur Ortschaft Niese.
(c) GeoBasis-DE BKG (2022) CC BY 4.0

Der Naturschutz – Gesetzliche Grundlage und persönlicher Anspruch

Im Vorfeld der Planung von Windparks ist eine naturschutzfachliche Einschätzung ebenso verpflichtend wie der Blick auf den Imissionsschutz von Bürgerinnen und Bürgern. Dies passiert unabhängig davon, ob es sich um eine komplette Neu-Errichtung oder um ein Repowering-Projekt handelt.

 

Für die Genehmigung des Windparks Niese-Köterberg wurden u.a. Punkte wie Vogel- und Fledermausschutz, eine Enhaltung der vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Schallemissionen und Fragen zum Schattenwurf behandelt.

Mit einem landschaftspflegerischem Begleitplan wurden mögliche Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft ermittelt sowie Vermeidungs- Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen definiert. Dies geschah im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung, die ein zentrales Element bei der Umsetzung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes darstellt.

Da nicht alle Aspekte sinnvoll durch Aktionen vor Ort kompensiert werden können, erfolgt zusätzlich stets die Festlegung von Ersatzzahlungen – so auch beim aktuellen Projekt in Niese.

Konkrete Maßnahmen der Windstrom Niese-Köterberg

 

Entsprechend der Größe der Flächen, welche die drei zukünftigen Windenergieanlagen beanspruchen werden, wurden Gebiete ausgewiesen, die zukünftig naturnah gestaltet und aufgewertet werden. Es handelt sich hierbei um ehemalige Ackerflächen. Konkret sind folgende Ausgleichsmaßnahmen geplant:

 

  • die Aufwertung eines Waldrands bei Köterberg
  • das Anlegen einer Streuobstwiese an der “Alten Ziegelei”
    und
  • die Aufwertung einer Wiese nördlich von Köterberg

 

Eine wichtige Vermeidungsmaßnahme betrifft den heimischen Rotmilan. In ausreichend Abstand zu den Windrädern werden süd-westlich Rischenaus drei Flurstücke als Ablenkflächen für die Vögel eingerichtet. Ziel ist eine Habitatverbesserung und somit die Anlockung der Tiere, z.B. durch ein potentielles Jagdgebiet. Zusätzlich erfolgt eine für den Rotmilan möglichst unattraktive Gestaltung des Mastfußes der Anlagen.

 

Da die reine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes weder ausgeglichen noch ersetzt werden kann, zahlt unsere Gesellschaft zudem ein Ersatzgeld.

Zur Kompensation der Flächenbelegung durch die Windanlagen wurden drei Ausgleichsflächen festgelegt.
Drei Ausgleichsflächen wurden im Raum Niese-Köterberg ausgewiesen.
In ausreichend Abstand zu den Windenergieanlagen werden Brutflächen für den Rotmilan eingerichtet.
Ausgewiesene Ablenkflächen in ausreichend Abstand zu den WEA

Die Anlagen und der Transport

 

In den letzten 30 Jahren hat sich viel getan im Bereich Windradtechnik. Die Anlagen sind größer geworden, aber auch effizienter und sogar intelligenter – sie können sich automatisch an äußere Umstände und Ansprüche von Mensch und Natur anpassen.

Die drei geplanten Anlagen vom Modell Nordex N149 unterscheiden sich optisch deutlich von den bisher im Raum Niese installierten Anlagen auf Gittertürmen. Der Mast ist schlank und modern, die Gondeln und die Spitzen der Rotorblätter sind zur Tagkennzeichnung rot gefärbt. In den Abend- und Nachstunden wird es einen schallreduzierten Betrieb und weitestgehend Dunkelheit geben – die Nachtkennzeichnung ist bedarfsgesteuert und verfügt über ein intelligentes System zur Erkennung von Flugkörpern, wodurch sich ein Dauerblinken erübrigt. Auch Eisansatz wird detektiert und führt zur Abschaltung der WEA.

Eine temporäre Deaktivierung kann auch individuell erfolgen, z.B. bei Fledermausflug in Kombination mit bestimmten Windverhältnissen während der Morgen- oder Abendstunden. Sogar bei unerwünschtem Schattenwurf kann die Anlage abgeschaltet werden.

Symbolbild WEA
Eine Skizze zeigt die temporären Veränderungen vor Ort.

Der Transport aller Bauteile ist für Herbst 2024 vorgesehen, darunter natürlich auch große Elemente wie die Rotorblätter und Stahlrohrsegmente des Turms. Es sind eben jene Bauteile, deren Transport vor allem auf den letzten fünf Kilometern eine echte Herausforderung darstellt. Auf einem speziell für Schwerlasttransporte entwickelten “Self-Propelled Modular Transporter”, einem sogenannten “Selbstfahrer”, der extern und ohne Fahrerkabine gesteuert werden kann, wird jedes Teil einzeln von einem Umladeplatz zur Baustelle gefahren. Dieser wird nahe Löwendorf errichtet, bis dorthin werden die Teile via Schwerlasttransport geliefert. Abgehend von der Bundesstraße B239 muss extra zu diesem Zweck eine temporäre Abfahrt geschaffen werden, die später zurückgebaut wird.

 

Viele weitere Elemente, wie die Ankerkörbe für das Fundament, die Nabe oder auch der Triebstrang werden direkt und ohne Umladen via Tieflader in den Park gefahren.

 

Auch innerhalb der Ortschaften muss ein sicherer Transport gewährleistet werden. Aus diesem Grund werden vorab an besonders engen Stellen Straßenschilder demontiert oder Vegetation zurückgeschnitten. Auch wenn nicht davon ausgegangen wird, dass der Transport Schäden an Wegen oder Straßen verursacht: Vor Beginn der Arbeiten wird eine umfassende Bestandaufnahme erfolgen, um eventuelle Beschädigungen zu erfassen und im Anschluss zu beheben.

Bürgerbeteiligung

Durch den Sitz der aktuellen Projektentwicklungs- und zukünftigen Betreibergesellschaft Windstrom Niese-Köterberg in der Gemeinde Lügde, bleiben auch die gezahlten Gewerbesteuern in der Region. Die Gelder kommen den Menschen vor Ort somit unmittelbar zugute. Ein Teil des jährlichen Nutzungsentgelts wird weiterhin für gemeinnützige Zwecke reserviert. Darüber hinaus wurde eine finanzielle Beteiligung der umliegenden Ortschaften Lügde, Marienmünster, Höxter und Polle auf Basis des §6 des EEG 2023 festgelegt.

Ein Anrainerstromtarif und auch Modelle der Bürgerbeteiligung werden aktuell diskutiert.

Bei unseren Erneuerbaren-Vorhaben setzen wir schon seit jeher auf Partnerschaften mit der lokalen Bevölkerung. Das umfasst den Dialog mit den Menschen vor Ort, die wir frühzeitig in die Planung unserer Projekte einbeziehen.

Dr. Thomas E. Banning, ehem. Vorstandsvorsitzender der naturstrom AG